Update

Am 16.11. wollen Antifaschist_innen in Hürtgen gegen die alljährlichen Volkstrauertagsfeierlichkeiten protestieren. Allerdings soll ihnen dies nach dem Willen der Polizei erst dann erlaubt werden, wenn die offiziellen Feierlichkeiten beendet sind.
Am 16. November 2014 ist es wieder einmal soweit: In viele Städten der Bundesrepublik findet der sogenannte „Volkstrauertag“ statt. So auch im beschaulichen Hürtgen bei Düren, NRW.
Der Volkstrauertag ist seit jeher ein von Geschichtsrevisionismus, Militarismus und Nationalismus geprägtes Event, welches besonders anschlussfähig für die bundesweite extreme Rechte war und ist. Auf nahezu allen Veranstaltungen der „bürgerlichen Mitte“ sind neben der Bundeswehr, Kirchenanhänger_innen, Lokalprominenz etc. auch Personen der extremen Rechen anzutreffen.
Nur einer von vielen guten Gründen sich diesen Tag freizuhalten und dem kruden Gewirr aus Deutschtümmelei, NS-Verherlichung und Patriotismus entgegenzutreten.
Doch an diesem Tag wollen wir nicht nur das heuchlerische Gedenken stören, sondern diesem auch eine eigene Veranstaltung auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Arnoldsweiler entgegensetzen.
Da Hürtgen schwer erreichbar in der Eifel liegt, wird es ab Düren HBF einen Shuttlebus geben.
Treffpunkt ist Sonntag der 16.11.2014 um 08.00h am Dürener Hauptbahnhof. Unsere Protestaktion soll um 9h beginnen. Allerdings stellt sich die Dürener Versammlungsbehörde quer und möchte Protest nicht vor 11h erlauben, offenbar damit die offiziellen Feierlichkeiten nicht behindert werden können.

Für ein antifaschistisches Gedenken, auch im Hinterland! Nichts und Niemand ist vergessen!

Volkstrauertag abschaffen!

Aufruf

Seit Jahren kritisieren antifaschistische Zusammenhänge die am Volkstrauertag stattfindenden Gedenkveranstaltungen. Der Volkstrauertag ist aufgrund seiner „völkischen“ Orientierung anschlussfähig für die extreme Rechte, so ist es nicht verwunderlich das regelmäßig bis zu 30 Neonazis aus der Region Aachen/Düren an den Veranstaltungen teilnahmen. Wer an dem besagten Tag das zu betrauernde Volk ist, bleibt generell völlig offen. Jedoch eint die Idee des Gedenkens an die gefallen Deutschen alle Veranstaltungen am Volkstrauertag.

Keine Versöhnung mit deutschen Tätern!

Wir sind gegen das Konzept einer sogenannten „Versöhnung über den Gräbern“, das den Veranstaltungen am „Volkstrauertag“ zu Grunde liegt. Aus unserer Sicht geht es hier nicht um Trauer über die unbeschreibbaren Greultaten des NS sondern viel eher um die Normalisierung einer faschistischen Armee zu normalen „Helden“ welche „auf Befehl hin handelten“ und „ehrenwerte Soldaten“ seien. Die Glorifizierung der Wehrmacht ist für uns keine Form der Trauer, viel eher stellt sie eine Kontinuität deutscher Perspektiven auf die Geschichte dar. Der Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge (VdK) als Veranstalter hat sich nie ernsthaft mit seiner Geschichte auseinandergesetzt, weder mit der Beteiligung im Dienste der Nationalsozialisten, noch mit seiner Funktion bei den nationalistischen Mobilisierungen in der Weimarer Republik oder in der Bundesrepublik.
Der „Volkstrauertag“ geht ebenfalls auf den bereits erwähnten Volksbund zurück. Von Anfang an hatte dieser Tag eine nationalistische Prägung. Im Jahr 1926 hieß es bei der zentralen Gedenkfeier: „Unsere Toten mahnen. Und darauf kommt es an. Horche jeder auf den Geist der Toten und bekenne sich zu ihnen: Selber riefst du einst in Kugelgüssen: Deutschland muß leben und wenn wir sterben müssen!“
So wurde der Volkstrauertag 1934 zum nationalen Heldengedenken ausgerufen. Nach 1945 war dieser Tag weiterhin Anlass für Angehörige von SS- und Wehrmachtsverbänden den „gefallenen Kameraden“ zu gedenken.
Die Wehrmacht war eine tragende Säule des faschistischen Staates und am Massenmord an Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma und an den brutalen Vernichtungsaktionen gegen die Bevölkerung der von ihr besetzten Gebiete beteiligt. An den Gräbern von Männern zu stehen, die sich möglicherweise an diesen Verbrechen beteiligt haben, ist eine Verhöhnung der Opfer.

Ein anderes Gedenken ist möglich!

Zwanzig Kilometer vom jährlichen Gedenken am „Mahnmal der Windhund-Division“ entfernt bestand vom 28. März 1940 bis Dezember 1944 das „Strafgefangenenlager VI H“ in dem vor allem polnische, französische und sowjetische Kriegsgefangene inhaftiert waren. Insgesamt sind 9.200 Kriegsgefangene in der gesamten Bestandszeit des „Stalag“ inhaftiert gewesen. Das System der Strafgefangenenlager diente jedoch nicht nur der Inhaftierung von gefangenen feindlichen Soldaten, sondern wies der deutschen Wirtschaft, die einen Mangel an Arbeiterinnen und Arbeitern hatte die Kriegsgefangenen als Arbeitskräfte zu. In Düren arbeiteten die Kriegsgefangenen in Metallwerken, Maschinenbaufirmen, Hüttenwerken und in der in Düren ansässigen Zuckerindustrie. Jedoch war diese Arbeit in erster Linie den französischen Kriegsgefangenen vorbehalten während die osteuropäischen Kriegsgefangenen vor allem für die nicht nur harten, sondern auch gefährlichen Aufräumarbeiten nach und während alliierten Bombardements eingeteilt worden sind. Neben dieser harten und gefährlichen Arbeit ist auch die Behandlung der osteuropäischen Gefangenen durch die deutschen Wehrmachtssoldaten im „Stalag VI H“ zu bemerken, die nicht nur menschenverachtend, sondern auch für 1600 Strafgefangene nach Krankheit und Erschöpfung tödlich endete. Das die osteuropäischen Gefangenen so schlecht behandelt wurden war dabei kein Zufall, sondern ein direkter Befehl des Oberkommandos der Wehrmacht und somit kaltblütig kalkulierte Politik des Nazi-Regimes.
An die Verbrechen der NS-Diktatur im „Strafgefangenenlager VI H“ erinnert jedoch nur ein Hochkreuz in der Merzenicher Heide und ein Granitstein am ehemaligen Stammlager, während in Hürtgen Jahr für Jahr Dürener Politikerinnen und Politiker, Bürgerinnen und Bürger und Neonazis gemeinsam denen Gedenken, die Teil des Massenmords waren.

Wir wollen dem gegenüber ein Gedenken an die tatsächlichen Opfer des Nationalsozialismus und nicht an jene, die ihn unterstützten oder ihm zu mindestens stillschweigend zusahen setzen. Wir wollen an jede erinnern die zu tausenden in anonymen Massengräbern vergraben worden, nachdem sie verhungerten, erfroren oder einfach todgeprügelt wurden..

Wir rufen daher dazu auf am 16. November 2014 erst in Vossenack gegen das reaktionäre Gedenken an deutsche Täter zu protestieren und danach in Arnoldsweiler den tausenden Opfern des „Stalag VI H – Arnoldsweiler“ zu gedenken.

Es gibt kein ruhiges Hinterland!
Treffpunkt: 16.11.2014/08:00 Uhr Düren HBF
Nie wieder Faschismus – Nie wieder Krieg
Kein Vergeben den NS-Tätern! Kein Vergessen den NS-Opfern!

AK-Antifa Aachen
Antifa-Düren
Diskursiv Aachen

Flyer